Die Stimmung unter Berlins kleinen und mittleren Unternehmen ist gut. So bewerten 57,9 % der Berliner Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit den Noten „gut“ oder „sehr gut“. Das ist ein ähnlich hoher Wert wie im Frühjahr 2011, als 55,4 % der befragten Unternehmen gute Noten erteilten. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bezeichneten, von 6,3 auf 3,8 %. Zum Vergleich: In Deutschland fielen die Aussagen ähnlich aus („gut“: 58,6 %; „schlecht“: 3,2 %).
Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung zur Berliner Wirtschaft, welche Creditreform Berlin und die Investitionsbank Berlin (IBB) durchgeführt haben. Im Rahmen dieses KMU Reports, der bereits in der zweiten Auflage erschienen ist, äußerten sich rund 1.350 Berliner Unternehmen zur aktuellen Wirtschaftslage, den Konjunkturerwartungen sowie zu den Finanzierungs- und Gründungsbedingungen für die hiesigen Unternehmen.
Sybille von Obernitz, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, sagte: „Mit dem KMU-Report wurde ein Instrument etabliert, das der Wirtschaftspolitik schon früh zeigt, welche Finanzierungsbedingungen und Finanzierungsbedürfnisse die kleinen und mittleren Betriebe in Berlin haben. Damit ist auch ein Leitprojekt des Masterplans Industriestadt Berlin erfolgreich umgesetzt worden. Die Antworten der befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen im KMU-Report passen gut zu unserer eigenen Lageeinschätzung: Die Berliner Wirtschaft befindet sich auf einem stabilen Wachstumskurs.“
Die Konjunkturindikatoren zur Umsatz- oder Personalentwicklung in Berlins Mittelstand haben sich binnen Jahresfrist stark verbessert: Verbuchte im vergangenen Jahr immerhin jedes zweite Unternehmen (50,1 %) höhere Umsätze, so sind es derzeit 60,3 %. Einen Umsatzrückgang mussten nur noch 11,1 % der Unternehmen hinnehmen (Vorjahr: 14,4 %). Dabei profitiert der Bau überdurchschnittlich stark von der konjunkturellen Dynamik: 65,9 % der Bauunternehmen konnten den Umsatz gegenüber dem Vorjahr ausweiten – im Handel schafften dies nur 54,2 %.
Jochen Wolfram, Geschäftsführer der Creditreform Berlin Wolfram KG, betonte dabei auf der Pressekonferenz: „Mit einem Positivsaldo von 49,2 zwischen gestiegenen und gesunkenen Umsätzen wird in Berlin ein absoluter Spitzenwert erreicht. Abgesehen vom Handel, wo die Werte knapp hinter dem Vorjahr zurückliegen, verzeichnen alle anderen Bereiche kräftige Steigerungen. Sensationell ist die Entwicklung aber in der Berliner Bauwirtschaft, wo zwei Drittel der Unternehmen Umsatzsteigerungen vermelden und lediglich knapp 5 % einen Rückgang zu verzeichnen haben. Auch fällt eine deutliche Beurteilungsdifferenz zwischen Berlin und dem übrigen Bundesgebiet auf, wo die Umsatzentwicklung mehrheitlich als stabil und weniger als verbessert wahrgenommen wird.“
Infolge der guten Umsatz- und Geschäftslage haben die Berliner Unternehmen einen steigenden Arbeitskräftebedarf. Vier von zehn Berliner Unternehmen (39,3 %) haben im Verlauf des Jahres ihren Personalbestand aufgestockt. Im Vorjahr war dies lediglich bei 28,5 % der Fall. Mitarbeiter entlassen mussten 9,6 % der Befragten (Vorjahr: 9,7 %). Einen höheren Personalstand weisen derzeit vor allem Dienstleistungsunternehmen auf (42,6 %). Im Handel bestand dagegen eine geringere Nachfrage nach neuen Mitarbeitern (34,7 %).
Nach dem starken BIP-Wachstum im vergangenen Jahr fallen die Wachstumsprognosen für das Jahr 2012 etwas schwächer aus. Momentan rechnen die Volkswirte der IBB mit einem Plus des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 %. Unsicherheit herrscht vor allem angesichts der fiskalischen Konsolidierung im Euro-Raum sowie der Schwankungen des Ölpreises, die sich in den Stimmungsindikatoren widerspiegeln. Ähnlich sehen dies die befragten Unternehmen: Nur noch 44,1 % der Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen, nachdem im Vorjahr noch 50,0 % der Betriebe mit einem Umsatzplus kalkulierten. Von Umsatzrückgängen geht jeder Neunte aus (11,3 %; Vorjahr: 8,8 %).
Das Beschäftigungswachstum in der Berliner Wirtschaft dürfte in den kommenden Monaten weiter anhalten. So wird der Personalstand im Mittelstand per Saldo wachsen und einen Beschäftigungsbeitrag für den hiesigen Arbeitsmarkt leisten. So planen 29,7 % der Befragten in den kommenden Monaten Neueinstellungen, während 7,3 % Stellen abbauen wollen. Die überwiegende Mehrzahl der Berliner Unternehmen (62,1 %) wird die Beschäftigtenzahl unverändert halten. Positive Beschäftigungsimpulse kommen vor allem aus den Wirtschaftsbereichen Bau und Dienstleistungen.
Eine wichtige Säule für die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen bleibt die Ertragskraft. Und diese hat sich innerhalb eines Jahres stark verbessert: Jedes zweite befragte Unternehmen (52,2 %) konnte seine Erträge steigern (Vorjahr: 42,7 %). Einbußen hatten 16,0 % der Berliner Unternehmen zu verkraften, während im Vorjahr noch 18,8 % der Unternehmen ein Ertragsminus hinnehmen mussten. Die gute Ertragslage wurde von den Unternehmen auch zum Ausbau ihrer Eigenkapitalbasis genutzt. Fast vier von zehn Befragten (37,9 %) melden eine Verbesserung der Eigenkapitalsituation. Eine Verschlechterung der Eigenkapitallage verzeichnen nur 7,9 % der befragten Betriebe.
„Es ist sehr erfreulich, dass sich die schon im Vorjahr stark verbesserte Ertragslage der Berliner Unternehmen nun im Jahr 2011 noch einmal gesteigert hat und es ist angesichts der aktuellen konjunkturellen Unsicherheiten nicht überraschend, dass die Erwartungen mit dem Status quo nicht ganz Schritt halten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin, Ulrich Kissing, zur Ertragslage der Unternehmen. Es sei sicherlich vernünftig, dass viele Unternehmen die gute Ertragssituation zur Stärkung ihres Eigenkapitals genutzt hätten.
Die Finanzierungsbedingungen sind bei jedem zweiten befragten Berliner Mittelständler (52,1 %) „unverändert“ geblieben. Deutlich weniger Unternehmen (9,4 %) sprechen von einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen (Vorjahr: 22,7 %). Bei der Frage nach den Finanzierungsquellen zeigt sich, dass der Berliner Mittelstand zuerst auf die Möglichkeiten der Innenfinanzierung setzt. Die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft sind mit Abstand die wichtigste Finanzierungsquelle, die mehr als drei Viertel der Befragten (76,2%) schon einmal eingesetzt haben. Aber auch Bankkredite (49,0 %), eingebrachte Eigenmittel (46,1%) und Rücklagen aus Gewinnen (37,1%) rangieren für den Berliner Mittelstand als Finanzierungsquelle ganz oben.
Creditreform verfügt über die weltweit größte Datenbank deutscher Unternehmen, verbindet Tradition und Innovation und schafft damit die Basis für sichere, unternehmerische Entscheidungen.
Die Produkte aus den Sparten: Wirtschaftsinformationen, Risikomanagement, Inkasso, Marketing- und Datendienste werden von ca. 165.000 Kunden europaweit genutzt. Mit über 4.000 Mitarbeitern und 130 selbständigen Geschäftsstellen allein in Deutschland steht Creditreform Kunden aller Branchen zur Verfügung.
Creditreform Berlin, mit Sitz in der Einemstraße 1 in Berlin Schöneberg, beschäftigt 170 Mitarbeiter. Jährlich werden in der Hauptstadt mehr als 400.000 Wirtschaftsauskünfte erteilt. Im Inkasso befinden sich ständig ca. 160.000 Forderungen in Bearbeitung. Insgesamt wird in Berlin ein Umsatz in Höhe von ca. 14,0 Millionen Euro erwirtschaftet.
Die Investitionsbank Berlin ist die Förderbank des Landes Berlin mit den Geschäftsfeldern Wirtschafts- und Immobilienförderung. In der Wirtschaftsförderung verfügt die IBB über ein breites Programmangebot mit Darlehen, Beteiligungen und Zuschüssen zur Förderung von Gründungsvorhaben, Wachstumsinvestitionen und technologischen Innovationen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Förderung von Unternehmen in den Berliner Clustern (Gesundheitswirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie (einschließlich Medien und Kreativwirtschaft), Verkehr, Mobilität und Logistik, Energietechnik, Optik).
Im Geschäftsjahr 2011 erteilte die IBB in der Wirtschaftsförderung Finanzierungszusagen im Volumen von 362,8 Mio. Euro (257,0 Mio. in Form von Darlehen und Beteiligungen und 105,8 Mio. Euro in Form von Zuschüssen) zur Förderung von 1.049 Unternehmen in der Hauptstadt. Dazu kamen Globaldarlehen an Berliner Banken zur Weiterreichung an Berliner Unternehmen in Höhe von 100 Mio. Euro.
Berlin, den 6. Juni 2012
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Der KMU-Report 2012 zum downloaden: